Enormes Sturz­risiko bei Hoch­be­tagten

2. November 2026 | APAMED (APA-OTS)
Zu Hause gestürzter Pensionist.
Zu Hause gestürzter Pensionist.

Fast 50 Prozent der über 80-Jährigen einmal pro Jahr betroffen

Fast 50 % der über 80-Jährigen stürzen einmal pro Jahr. Das bedeutet ein hohes Risiko für schwere Verletzungen inklusive Knochenbrüche. Dies hat eine deutsche Langzeitstudie ergeben. Polypharmazie, Harninkontinenz, Sehbeeinträchtigungen und Depressionen wirken zusammen als Ursachen für die Gefahr.

Die im deutschen Bundesgesundheitsblatt erschienene wissenschaftliche Arbeit "Gesundheit 65+" (DOI: 10.1007/s00103-026-04290-y) belegt das riesige Problem, das solche Unfälle für Betagte darstellen. Bei der Basisbefragung zu Beginn der Studie gaben 38,1 % der Befragten ab 80 Jahren an, in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal gestürzt zu sein, 24,2 % hatten zwei oder mehr Stürze erlitten. Bei einer weiteren Befragung ein Jahr später gaben 46,7 % an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einmal gestürzt zu sein. "33,6 % gaben zwei oder mehr Stürze an", schrieb jetzt das Deutsche Ärzteblatt zu der Untersuchung mit 3.694 Senioren, von denen etwas mehr als 1.700 älter als 80 Jahre gewesen waren. Die Studie lief zwischen Juni 2021 und April 2023.

Das Team um die Epidemiologin Giselle Sarganas vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hatte untersucht, ob die Einnahme von Arzneimitteln, welche als Nebenwirkungen Schwindel, Sedierung, niedrigen Blutdruck und/oder Störungen des Gleichgewichtssinnes auslösen können (Fall-Risk-Increasing-Drugs - FRID), für die Unfälle mitverantwortlich sind. Oft landen die Hochbetagten nach Stürzen im Spital, was schließlich ihr Gesundheitsrisiko durch Immobilisierung, Infektionen etc. noch einmal erhöht.
 

FRID-Medikamente als Risikoverstärker

Eine erste Analyse zeigte, dass die Einnahme der FRID-Medikamente mit einem fast doppelt so hohen Risiko für einen Sturz assoziiert war: plus 93 %. Es gab allerdings noch andere Risikofaktoren wie Adipositas (Risiko 2,29-fach erhöht), depressive Verstimmungen (2,17-fache Gefährdung), Mehrfacherkrankung (Verdopplung des Risikos), Sehbeeinträchtigung (plus 85 %), Harninkontinenz (plus 79 %) und Gedächtnisprobleme (plus 71 %), so die deutsche Ärztezeitung.

Am häufigsten seien die Hochbetagten mit Diuretika (Entwässerungsmittel; 37,9 %) behandelt worden. Es folgten Opioide (11,9 %), Alphablocker zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung (9 %), Antidepressiva (8,8 %), Antiepileptika (8,1 %) und gefäßerweiternde Mittel zur Behandlung von Herzerkrankungen (5,3 %). Diese Arzneimittel werden häufig als FRIDs genannt.

 

Risiko Harninkontinenz

Als man schließlich alle Faktoren gemeinsam berücksichtigte, blieb eine große Palette an Risikofaktoren für ein erhöhtes Sturzrisiko übrig: Ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko war für die Harninkontinenz (plus 65 %), Sehbeeinträchtigung (plus 41 %) und Depressionen (plus 61 %) nachweisbar. Bei den FRIDs gab es in dieser Analyse ein um 59 % erhöhtes Risiko, was knapp unter der statistischen Relevanz lag.

Für die häufigen Stürze von Hochbetagten bestehen nach Ansicht von Giselle Sarganas zumeist mehrere Gründe. Eine Sturzprävention sollte daher gleich an mehreren Faktoren ansetzen: durch Überprüfung der verschriebenen Arzneimittel auf Notwendigkeit und potenziell sturzfördernden Effekt, Sehkontrollen, Behandlung von Inkontinenz und Depression sowie individuell angepasste Bewegungsprogramme.

Verwandte Artikel
Symbolbild: Stärkung.
Symbolbild: Stärkung.
Stärkung des Pharma­stand­ortes Öster­reich nur mit inte­gra­tiver Strategie möglich

Für eine sichere und breite Versorgung muss das, was wir an ...

Mitarbeiter des Arzneimittel-Vollgroßhandels im Lager.
Mitarbeiter des Arzneimittel-Vollgroßhandels im Lager.
Aktuell täglich 81.000 Medikamenten­packungen von Liefer­pro­blemen betroffen

Rund 500 Arzneimittel sind laut Vertriebseinschränkungsregister ...