Regierung ermög­licht Impfen in Apo­theken

4. November 2026 | APAMED (APA-OTS)
Oberarm einer Frau nach erfolgter Impfung.
Oberarm einer Frau nach erfolgter Impfung.

Zunächst für drei unterschiedliche Impfungen - Start möglichst im Frühling 2027 - Zustimmung von Opposition und Apothekerkammer, Kritik der Ärztevertretung

Apotheken können künftig Impfungen vornehmen. Das hat der Ministerrat am Mittwoch beschlossen. Betroffen sind Immunisierungen gegen FSME, Keuchhusten-Tetanus-Diphtherie und Hepatitis B. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) betonte im Pressefoyer nach der Regierungssitzung, es gehe ausdrücklich nicht darum, Ärzte zu ersetzen, sondern darum, ein zusätzliches Angebot zu schaffen.

Wie die Ressortchefin ausführte, habe man sich auf Impfungen konzentriert, die man bereits in Apotheken erwerben könne. Danach noch einen Gang zum Arzt antreten zu müssen, sei eine der Hürden gewesen, die manche vom Wahrnehmen der Impfungen abgehalten hätten. In den Apotheken geimpft werden können Personen ab 14 Jahren. Einige Gruppen wie Schwangere, akut Erkrankte und Risiko-Patienten sind ausgenommen.

Bereits heute wird die Begutachtung des entsprechenden Gesetzesvorhabens gestartet. Wenn es nach Schumann geht, sollen die ersten Impfungen bereits zu Beginn der kommenden Zeckensaison im Frühjahr 2027 in Apotheken durchgeführt werden. Um diese vornehmen zu können, brauchen Mitarbeiter der Apotheken eine entsprechende Ausbildung mit abschließender Prüfung. Organisiert wird das von der Apothekerkammer, kein Pharmazeut muss die Immunisierungen anbieten. Die Impfung selbst muss in einem abgetrennten Raum vorgenommen werden.

 

In vielen europäischen Ländern gibt es die Apotheken-Impfungen schon

Bedenken gegen das Impfen durch Apotheker gibt es seit jeher von der Ärztekammer. Die kann Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) nicht nachvollziehen. 

Diesbezüglich gebe es schon diverse Best-Practice-Modelle. Laut Schumann wird in 19 europäischen Ländern schon in Apotheken geimpft. Dies auch in Österreich zu ermöglichen, sei ein sinnvoller Beitrag zur Impfversorgung.

Das kommende Jahr ist für die Ministerin ein "Probejahr": "Wir wollen das Impfen in Apotheken einmal ins Vertrauen bringen." Später kann sie sich eine Ausweitung der Immunisierungen vorstellen. Schellhorn meinte, man arbeite daran, dass das Impfen in Apotheken "weiter gedacht" werde. Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) sieht in der erweiterten Impfmöglichkeit einen "Mehrwert" für die Bürger. In einem nächsten Schritt würden die Aufzeichnungspflichten für das in Apotheken verwendete Ethanol reduziert, ein Schritt zur Entbürokratisierung.

 

Rufe nach Ausweitung

Die Apothekerkammer begrüßte den heutigen Beschluss an sich, sei doch das Impfen in Apotheken international eine Erfolgsgeschichte. Es erhöhe nachweislich die Durchimpfungsraten und erreiche Menschen, die sonst ungeimpft blieben. Dennoch sieht man Verbesserungsbedarf. Es müssten so schnell wie möglich alle nicht-lebenden Impfstoffe in den Apotheken verimpft werden können. Vor allem die Influenza-Impfung wäre dringend hinzuzufügen, findet die Kammer in einer Aussendung.

Die FPÖ teilte über ihren Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak mit, dass aus ihrer Sicht nur ein Schritt in die richtige Richtung gelungen sei. Für ihn ist nämlich die limitierte Auswahl an Impfungen nicht nachvollziehbar. Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner stieß ins selbe Horn. Die Regierung solle im parlamentarischen Verfahren dafür sorgen, dass neue Impfungen ohne Umweg über eine weitere Gesetzesnovelle dazukommen könnten. Konkret nannte er Grippe und HPV.

Weiter strikt gegen das Impfen in Apotheken tritt die Ärztekammer auf. Statt mehr Orte für Impfungen anzubieten, sollten genügend Impfstoffe angeschafft und ausgeliefert sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Impfbereitschaft ergriffen werden, verlangte Präsident Johannes Steinhart. Es sei ganz offensichtlich, dass hier wirtschaftliche Überlegungen der Apotheken im Vordergrund stünden und es sich um keine gesundheitspolitische Maßnahme in der Präventionsmedizin handle.

 

Der PVÖ begrüßt heutigen Ministerratsbeschluss, fordert aber klare Sicherheitsstandards und weitere kostenlose Impfangebote

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) begrüßt den heutigen Beschluss im Ministerrat, künftig Impfungen auch in Apotheken zu ermöglichen. Ab Frühjahr 2027 sollen zunächst Impfungen gegen FSME, Hepatitis B sowie Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten angeboten werden können.

„Ein wohnortnaher und unkomplizierter Zugang zu Impfungen ist gerade für ältere Menschen wichtig. Die Patientensicherheit muss aber immer oberste Priorität haben!“, betont PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer.

Klare Regelungen für medizinische Notfälle Der PVÖ fordert daher verbindliche Sicherheitsstandards, verpflichtende Notfallschulungen und klare Regelungen für medizinische Notfälle. „Wer impft, muss auch bei schweren Impfreaktionen rasch und professionell handeln können. Hier darf es keine Kompromisse geben“, so Gerstorfer.

Gleichzeitig fordert der Pensionistenverband die weitere Ausweitung kostenloser Schutzimpfungen. Die kostenlose Gürtelrose- und Pneumokokken-Impfung für Menschen ab 60 Jahren sei ein wichtiger Erfolg der langjährigen PVÖ-Interessenvertretung.

„Impfen darf keine Frage der Geldbörse sein! Unser Ziel bleibt, dass alle öffentlich empfohlenen Schutzimpfungen – ausgenommen Reiseimpfungen – entsprechend den medizinischen Empfehlungen kostenlos zugänglich sind. Vorsorge schützt Leben und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem“, stellt Gerstorfer abschließend klar.

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